Kartenlesegerät und neuer Personalausweis im Test

Erfahrungsbericht

Nachdem nun der neue Personalausweis erhältlich ist, wahlweise mit oder ohne Fingerabdruck, haben wir uns gedacht, testen wir doch einfach mal den technischen Fortschritt, der damit Einzug in die deutschen Geldbörsen gefunden hat.

Beantragung und Kosten des neuen Personalausweises

Zunächst marschierten wir zum Einwohnermeldeamt, ein biometrisches Passfoto im Gepäck, um einen neuen Ausweis für 28 Euro zu beantragen.
Das klappte alles einwandfrei und 10 Tage später erhielten wir auch schon Post, dass wir selbigen abholen könnten.

Also erneut zum Rathaus, den alten Ausweis abgegeben und den neuen in Empfang genommen. Auf “Anweisung von ganz oben”, so die Dame im Rathaus, dürfe sie uns den entwerteten alten Personalausweis nicht mehr mitgeben, wie wir es früher immer handhabten, um das Stück Erinnerung vielleicht mal den Enkeln zeigen zu können. Auf unsere Rückfragen, wer mit “ganz oben” gemeint sei, und ob es sich dabei um “Gott” handeln würde, wollte sie nicht wirklich eingehen ..

Zusammen mit dem schönen neuen handlichen Personalausweis, der sich endlich geschmeidig in unser Portemonnaie einfügte wie eine EC Karte, bekamen wir auch eine Broschüre an die Hand, die die ganzen tollen neuen Funktionen dieses elektronischen Wunderwerkes der Technik aufzeigen sollte.

Nach der Lektüre dieses Manifestes stellten wir fest, dass man damit ja unheimlich viele nützliche Dinge machen kann.
Voraussetzung dafür sei lediglich ein Kartenlesegerät, dass den Ausweis lesen kann, und welches parallel an den PC angeschlossen wird.

Einsatzmöglichkeiten des neuen Personalausweises


Hier ein kurzer Auszug von der offiziellen Webseite des Bundes
(www.personalausweisportal.de/DE/Die_neuen_Funktionen/Anwendungsmoeglichkeiten)

Die Online-Ausweisfunktion wird von Diensten angeboten, die ihre Registrierungsvorgänge einfacher und sicherer für den Nutzer machen möchten. Das können Services von Banken, Versicherungsunternehmen, Online-Shops, E-Mail-Anbietern oder sozialen Netzwerken sein. Aber auch Behörden können das Online-Ausweisen im Rahmen ihrer E-Government-Dienstleistungen anbieten, wie zum Beispiel bei der Kfz-Anmeldung oder bei der Beantragung von Kindergeld. Das Ausweisen funktioniert aber nicht nur im Internet. Auch bei Fahrkartenautomaten, Mietservices für Autos und Fahrräder oder beim Einchecken im Hotel kann die neue Online-Ausweisfunktion integriert werden.
Quelle: www.personalausweisportal.de

Also praktisch ist das schon. WENN ein Unternehmen oder eine Behörde das unterstützt, muss man nicht mehr zur Post, um seine Unterschrift bestätigen zu lassen oder muss keine Verträge mehr im Original hin- und her schicken.

Die oben genannte Seite bietet auch eine Liste der Unternehmen und Behörden an, die diese neue Funktion schon unterstützen.

Doch auch dafür benötigt man ein Kartenlesegerät.
Also was soll der Geiz, dachten wir uns, bestellen wir uns einfach ein Kartenlesegerät.

Kartenlesegeräte – eine “Übersicht”

Nach einiger Recherche stellten wir fest, dass es eigentlich nur einen namhaften Hersteller von Kartenlesegeräten gibt, die vom Bund auch zertifiziert sind: die Firma REINER.
Also statteten wir diversen Foren und der Herstellerwebseite einen Besuch ab. Uns ist zwar nicht ganz klar, ob es wirklich keinen anderen Anbieter gibt und sich der Markt hier wirklich so monopolistisch aufstellt, aber was wird schon so ein Kartenlesegerät kosten ..

Es gibt bei REINER, vereinfacht dargestellt, drei Kartenlesegeräte: cyberJack® e-com, cyberJack® secoder und cyberJack® e-com plus.
Was möchte man mehr. Eine klar definierte, einheitliche und übersichtliche Produktlinie.
Wenn schon, dann schon. So beschlossen wir uns gleich das Premium-Modell anzuschaffen, das gleich alles kann und entschieden uns für das teuerste Modell, den cyberJack® e-com.
Anfang April sollte das Gerät laut Hersteller ca. 159,- € im UVP kosten.
Das geht billiger dachten wir, und schlugen bei Amazon für ca. 129,- € zu.
Allerdings gab es bei Amazon von REINER nur drei Modelle, das “Reiner SCT cyberJack RFID komfort“, das “Reiner SCT cyberJack RFID standard” und den “Reiner SCT cyberJack Secoder”.
Merkwürdig, dass die anscheinend gleichen Produkte unterschiedliche Bezeichnungen haben, dachten wir bei uns. Von den Produktbildern waren diese alle identisch zu denen auf der Herstellerseite.

Also bestellten wir das offensichtlich am umfangreichsten ausgestattete Modell “Reiner SCT cyberJack RFID komfort“.

Wenige Tage später hielten wir das 129,- € teure Kartenlesegerät in den Händen und schlossen es über USB an.
Mit in der Lieferung befand sich eine Chip-Karte, die sogenannte “OWOK-Karte”.

“Toll”, dachten wir, da gibt es ja noch extra Features .. der Hersteller lotste uns so auf seine Homepage, und ließ uns staunen.

Kartenlesegerät – in medias res

Das man mit dem Kartenlesegerät den neuen Ausweis als Identifizierung verwenden kann ist klasse. Dass man mit so einem Kartelesegerät noch ganz andere Sachen machen kann, ist um so interessanter.

Der Hersteller REINER listet eine zwar überschaubare Auswahl von Features auf, die man mit der mitgelieferten “OWOK-Karte” machen kann, aber immerhin. Die Technik ist neu und die Entwickler und Unternehmen müssen ja erst mal Gebrauch davon machen und machen wollen.

OWOK Anwendungen (www.reiner-sct.com)

OWOK Anwendungen (www.reiner-sct.com)

 

Zum Beispiel bietet REINER mit der mitgelfierten Chipkarte an:

Internet Cockpit
Mit loginCard und/oder nPA bei Allyve.de anmelden und viele Internetdienste ohne erneutes Login nutzen (u.a. Facebook, GMX, amazon, XING, ebay).

Strato Cloud
Daten im Internet sichern, der Zugriff erfolgt mittels loginCard.

ComputerBild.de Login
Mit loginCard sicher und schnell bei ComputerBild.de anmelden.

loginMate® Windows-Login
Eine komfortable Sicherheitslösung für die Verwaltung von Zugangsdaten bietet Reiner-SCT mit loginMate® an. Betriebssystem Logons werden verschlüsselt auf einer Chipkarte gespeichert. Sicheres Anmelden mit einer Chipkarte an Windows NT/2000/XP/Vista 32 Bit – Systemen. Der PC kann einfach durch Ziehen der Karte gesperrt werden. So ist der Rechner auch in kurzen Pausen vor unbefugten Zugriff geschützt.

Und so weiter .. liest sich alles gar nicht so schlecht. Vor allem der Windows-Login mit der Karte hatte unser Interesse geweckt.
Strato brauchen wir nicht, Internet Cockpit unsere Daten anzuvertrauen hat gerade noch gefehlt, und wer bei ComputerBild ein Login-Konto hat, der .. na ja .. lassen wir das.

Die bedingt nützliche OWOK-Card (Copyright: www.reiner-sct.com)

Die bedingt nützliche OWOK-Card (Copyright: www.reiner-sct.com)

 

Also meldeten wir uns brav an, um die loginMate® Windows-Login zu verwenden.
Doch nichts geht. Nach ewigen Recherchen entdecken wir dann den Hinweis auf der REINER Webseite: “Bitte nutzen Sie diese mateSuite-Version noch nicht mit dem Betriebssystem Windows 7. Eine Windows 7-kompatible Version wird demnächst veröffentlicht.”

Na toll. Dann also nix mit den nützlichen Zusatzfeatures unseres Kartenlesegerätes.
Wenigstens funktioniert die Identifizierung mit Hilfe unseres neuen Personalausweises, der über das Tool “Ausweis App” verwendet werden kann (https://www.ausweisapp.bund.de). Wer sich den Begriff  “App” für eine Software ausgedacht hat, die am lokalen Desktop-Rechner installiert wird, bleibt im Raum stehen. Wahrscheinlich klang “App” einfach cool und trendy.

Homebanking einfach gemacht

Da wir von unserer Sparkasse keine TAN-Listen mehr zugeschickt bekommen und stattdessen für 10,- € ein TAN-Lesegerät erwerben mussten, hatten wir uns ohnehin schon an ein Kartenlesegerät gewöhnt. Benutzt man Online-Banking über das Internet-Portal der Sparkasse, muss man bei jeder einzelnen Überweisung das TAN-Lesegeräte der Sparkasse vor den Bildschirm halten, um die TAN generiert zu bekommen.
Wir haben diesen Vorgang allerdings auch mit “Starmoney 8.0” getestet, und dort muss man manuell jedes Mal alle Überweisungsdaten, inklusive eines Freischaltcodes in den TAN-Generator eingeben. Furchtbar umständlich wie wir finden.

Das Kartenlesegeät soll nun auch dort Abhilfe schaffen. Und spätestens dort erhoffen wir uns einen wirklichen Mehrwert dieser Anschaffung.

Nach ewigem Herumprobieren und Telefonaten mit der Sparkasse fanden wir dann auch heraus, wie wir das überhaupt bewerkstelligt bekommen: man muss eine gesonderte HBCI-Karte bei seiner Bank bestellen, die separat zur EC Karte geliefert wird. Mit dieser Karte, kann man dann über das Lesegerät eine Identifizierung herbeiführen, und spart sich somit das ständige Getippe oder Heranhalten des TAN-Generators an den Bildschirm.

Die Karte ist noch auf dem Weg zu uns, wir werden berichten ..

Fazit

Die Kartenleselandschaft (mit Zertifizierung vom Bund) ist überschaubar. REINER wird – zumindetens laut unbestätigten Foreneinträgen – auch vom Bund bei der Herstellung der Geräte subventioniert, was erklärt, warum man hauptsächlich über diesen Anbieter stolpert. Sinn macht es ja auf jeden Fall, möchte man doch recht zügig diese neue Technik am Markt und beim Bürger etablieren.

Was uns irritiert hat, war die Tatsache, dass die Geräte nicht alle gleich heißen und unter unterschiedlichen Bezeichnungen am Markt erscheinen. Das von uns erworbene Modell “Reiner SCT cyberJack RFID komfort” ist gar nicht mehr auf der REINER Webseite zu finden, stattdessen nur noch der cyberJack® e-com plus” als Premium-Gerät. Und dieses wiederum kostet von heute auf morgen plötzlich nicht mehr 159,- € UVP, sondern 119,- €. Und zeitgleich ist dieses Gerät nicht mehr mit dem neuen Personalausweis kompatibel (s. Screenshot).
Sehr merkwürdig.

 

Die mitgelieferte “OWOK-Karte” funktioniert aber angeblich auch nur mit dem cyberJack® e-com plus” und nicht mit dem “Reiner SCT cyberJack RFID komfort“, die allerdings identisch aussehen. Hier sollte man unseres Erachtens mal die überschaubare Produktpalette klarer spezifizieren.

Die Technik ist gut und bietet einen Mehrwert. Die Tücke liegt im Detail. NOCH gibt es kaum sinnvolle Anwendungen, aber das wird sich mit der Zeit ändern.

PRO:
– der Personalausweis ist endlich mal handlich
– mit dem Kartenlesegerät kann man seine Geldkarte auslese
– das Online Banking wird einfacher
– der Vertragsabschluss mit Unternehmen und Behörden wird selektiv einfacher

CONTRA:
– die Produktvielfalt bei den Kartenlesegeräten ist gering
– verwirrende/unterschiedliche Bezeichnungen der Geräte irritieren den potentiellen Käufer (oder zumindestens uns)
– der Anschaffungspreis ist für den “Otto-Normal-Verbaucher” ist immer noch recht hoch

 

Das einzig sinnvolle Kartenlesegerät am Markt
91%Gesamtpunktzahl
Funktionalität91%
Preis/Leistung89%
Handling94%
Workflow90%
Leser Bewertung 1 Abstimmen
97%