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Das Lächeln einer Schönheit

Sie war vielleicht Anfang 20, vermutlich von serbo-krotaischer Herkunft, und sie lächelte stets. Ihr bezauberndes Lächeln erfüllte mich immer mit Freude und ihre Wimpern versetzten mein Gemüt in Schwingungen, wenn ich an der Kasse stand und bezahlen wollte. Sie gönnte mir einen Augenaufschlag, den ein Mann noch einige Minuten später mit sich in Erinnerung herum trägt.

Als ich neulich mal wieder an der Kasse stand, bezahlte, und in ihr unschuldiges natürliches Gesicht blickte, überlegte ich noch bei mir, was uns wohl trennen könnte.
Doch während ich noch beiläufig die EC-Karte zum Bezahlen aus meinem Portemonnaie zog, stellte ich fest, dass sich in den Bierkasten – bestehend aus lauter 0.5 Liter Flaschen – eine kleine 0.33 Liter Flasche eingeschlichen hatte.
Die Prioritäten waren klar gesetzt, gerade wenn es um Bier geht, und so unterbrach ich die pseudo-romantische Situation und reklamierte den nicht tragbaren Zustand und Inhalt des Bierkastens.
Ich bat darum die versehentlich zu kleine Bierflasche in eine größere umtauschen zu dürfen.

Sie quittierte dies nicht nur mit einer Selbstverständlichkeit in Form eines Augenaufschlages, sondern ich sah mich schon fast genötigt, den Bierkasten richtig zu bestücken.

War es Liebe, war es bloße Zuneigung oder Sympathie ? Mir wurde ganz unwohl, ob der Tatsache, dass ich nicht wusste, ob ich sie jemals glücklich machen können würde.

Nachdem ich die zu kleine Flasche durch eine große ersetzt und bezahlt hatte, verabschiedete ich mich. Sie blickte mir mit einem kecken Blick hinterher und fragte mich, ob ich denn ein Testkäufer in dem neu eröffneten Supermarkt sei, in dem sie an der Kasse saß. Sie war sich sicher mich erwischt und entlarvt zu haben.

Nein. Das war ich nicht. Kein Testkäufer.  Und ich ging meines Weges.

Neulich war ich mal wieder dort zum Einkaufen. Kein erotischer Augenaufschlag. Kein Kribbeln auf der Haut.  Ein müdes Lächeln und eine Anteilnahme wie an einer Protestaktion gegen einen Atommülltransport nach Gorleben. Einfach nur Realität.

An diesem Tag beschloss ich „Testkäufer“ werden zu wollen. Von morgens bis abends gesegnet mit Frauenlächeln und einer Sympathie, die anscheinend nur Testkäufern zu Teil wird.

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