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Canon EOS 5D Mark III

Mit Kameras verhält es sich genau wie mit Computern: ständig erscheinen neue Modelle, und man kann der technischen Entwicklung kaum noch folgen. Meistens sind die technischen Neuerungen nur selten spektakulär, und ob man deshalb – meistens tief – in den Geldbeutel greifen muss, sei dahin gestellt.

Im Bereich der DSLR-Kameras haben wir es uns nun gewagt und möchten mit diesem Review nun einen kleinen Eindruck davon geben, wie uns das im März erschiene neue Modell von Canon gefällt, und worauf man beim Erwerb achten sollte.

Überblick über die DSLR-Kategorien

Bei den DSLR-Kameras muss man zunächst drei Kategorien unterscheiden. Die Mittelklasse (ca. 400 – 1.200 Euro ohne Objektiv), die High-End-Klasse (ca. 2.800 – 4.000 Euro) und die Profiliga (ca. 6.000 – 60.000 Euro). Lassen wir die Profiliga mal außen vor und suchen die Unterschiede in den anderen beiden Klassen.

Im Prinzip liegt der Unterschied vor allem im Kamerasensor. Viele Unwissenden beziehen sich immer auf die Auflösung (Megapixelzahl), wenn sie Kameras vergleichen. Das ist unsinnig, denn der Sensor gibt in der Verbindung mit der Auflösung Aufschluss darüber, wie hochauflösend die Bilder letztlich sind.

Mir möchten an dieser Stelle auch keinen Fotokurs oder ein detailliertes Review schreiben, da es weitaus besserer Seiten im Internet gibt ,die sich ausführlicher und professioneller mit diesem Thema beschäftigen. Mir möchten das Thema nur streifen, und stellen die einzelnen Themenbereiche nur grob umrandet vor.

Mittelklasse-Kameras besitzen einen sogenannten „APS-C Sensor“, während die höherpreisigen Modelle ab 3.000 Euro einen „Vollformatsensor“ besitzen.
Merkt man einen Unterschied ?
Das Internet ist voll von hitzigen Gemütern zu diesem Thema, ob der Unterschied mehrere tausend Euro wert ist.
Ist ein Porsche besser als ein Golf ? Alles subjektiv.
Was möchte man damit machen, hat man das Budget dafür, kann man damit Geld verdienen ? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten.

Einen Unterschied gibt es, das ist schon alleine technisch begründet. Wir zeigen nun zunächst den Unterschied der beiden Sensoren auf.

Vollformat vs. APS-C und der Crop-Faktor

Um den Unterschied zu verstehen, der bei Kameras mal schnell tausende von Euro ausmacht, muss man zunächst das Prinzip verstehen.
Fangen wir also sehr vereinfacht dargestellt mit dem Crop-Faktor an. Der Crop-Faktor ist das Längenverhältnis zwischen den Diagonalen zweier Aufnahmeformate (flächenmäßige Bildgröße).
Das Aufnahmeformat, der Bildwinkel und die Brennweite hängen über den Strahlensatz zusammen. Deshalb kann man den Crop-Faktor dazu benutzen, das richtige Objektiv auszuwählen, bzw. unterschiedliche Brennweiten/Objektive bei einem unterschiedlichen Kamerasensor zu vergleichen.
Nehmen wir als Beispiel die Canon EOS 60D, die einen APS-C Sensor besitzt, der physisch deutlich kleiner ist, als der einer Vollfromatsensor-Kamera wie der EOS 5D Mark III. D.h. das Bild muss physisch auf einen kleineren Sensor untergebracht werden. Dadurch geht Qualität verloren. Die EOS 60D besitzt einen Crop-Faktor von 1.6, was bedeutet, dass man beispielsweise dort ein Objektiv 15-85mm einsetzt, dass an einer Vollformatsensor-Kamera einem Objektiv von 24mm (15mm x 1.6 Crop-Faktor) Brennweite gleich käme, um den selben Bildabschnitt abzubilden.

Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.
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Zur Veranschaulichung lohnt es sich auch folgendes Video anzuschauen.

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Canon EOS 5D Mark III im Detail

Ein anderer Betrachtungswinkel sind natürlich auch die neuen Features, die mit der Canon EOS 5D Mark III einher kommen.
Zum einen die Serienbildfunktion, die mehrere Bilder nacheinander schiesst und das Objekt dann in einem finalen Foto dupliziert erscheinen lässt. Dabei muss man kein Fotobearbeitungsprogramm mehr benutzen, die Schritte erfolgen alle in der Kamera.
Ebenso wie die neue integrierte HDR-Funktion, mit der die Kamera automatisch bis zu 7 Bilder in Folge schießt und – nach Vorgabe – unterschiedliche Belichtungen verwendet. Dann legt die Kamera die Fotos mit ein und dem selben Motiv in mehreren Belichtungsstufen übereinander und kreiert das HDR (High Dynamic Range) Foto. Ebenfalls wieder direkt in der Kamera. Es ist keine Software mehr nötig, um HDR Fotos zu erstellen. Zudem kann man aus 6 verschiedenen HDR Stilen in der Kamera wählen.

Die Mark III verfügt zudem über zwei Karten-Slots, in denen sowohl Compact Flash Karten, als auch die aus der Mittelklasse gewohnten SD-Karten verwendet werden können.
Zudem verfügt die neue Mark III ebenfalls über 41 Kreuzsensoren. Anbei eine kleine Übersicht im Detail (nur sehr selektiv Kriterien verglichen):

Canon
EOS 5 D III
Canon
EOS 5 D II
Canon
EOS 7D
Canon
EOS 60D
Preis Body (ohne Objektiv) 09/12 3.100 € 1.749 € 1.275 € 877 €
Bildprozessor DIGIC 5+ DIGIC 4 Dual „DIGIC DIGIC 4
Verkaufsstart 03/2012 07/2007 07/2007 08/2010
Sensor Vollformat 22.1 Mio. Megapixel Vollformat 21.0 Mio. Megapixel APS-C 17.9 Mio. Megapixel APS-C 22.1 Mio. Megapixel
Monitor 8,11 cm (3,2 Zoll) Clear View TFT-Display, ca. 1.040.000 Bildpunkte 7,62 cm (3,0 Zoll) Clear View TFT, ca. ca. 920.000 Bildpunkte 7,5 cm (3,0 Zoll) Clear View II TFT-Display, ca. 920.000 Bildpunkte dreh- und schwenkbares 7,7 cm (3,0 Zoll) Clear View TFT-Display, ca. 1.040.000 Bildpunkte
Autofokus 61-Punkt-Messfelder / 41 1:4 Kreuzsensoren inkl. 5 Doppelkreuzsensoren bei 1:2,8 9 (plus 6 AF-Hilfsmessfelder) 19 AF-Kreuzsensoren 9 AF-Kreuzsensoren
Sucher 100% 98% 100% 96%
ISO 50-102.400 50-25.600 100-12.800 100-12.800
Reihenaufnahmen 18 RAWs 13 RAWs 16 RAWs 16 RAWs

Mit der Messe Photokina 2012 sind auch zwei neue Modelle im Oktoberangekündigt worden, die bei Canon und Nikon das mittlere Preissegment um die 2.300 Euro abdecken sollen. Mit der Canon EOS 6D und der Nikon D600 kommen damit die günstigsten zwei neuen Vollformatsensor-Kameras auf den Markt.

Die Mark III ist so vollgestopft mit genialen Features, das man hier seitenweise die Funktionen aufzählen könnte.
Nichtsdestotrotz kommt die Kamera mit einem sehr puristischen Programmrad am Gehäuse einher, was dem Profi mit Sicherheit entgegen kommt, da der Fotograf, der sich für diesen Preis eine Kamera kauft ohnehin fast alle Aufnahmen manuell abstimmt. Waren die Programmautomatikpunkte auf dem Rad bei der EOS 60D noch um „Sportprogrammatik“, „Portrait“, „Landschaft“ etc. erweitert, verzichtet Canon bei der Mark III bewusst darauf. Stattdessen spendierte Canon noch 3 Custom Programmautomatiken, die man selber konfigurieren kann.

Wie bei jeder Profi-Kamera fehlt auch hier der integrierte Blitz, und kann mit „Speedlight“-Blitzen von Canon oder Drittherstellern erweitert werden. Allerdings kostet diese auch wieder zwischen 100 und 500 Euro.

Ein neuer Silent-Modus macht es möglich, die Geräusche beim Auslösen zu Unterdrücken, was gerade bei Innenaufnahmen von Kirchen, etc. von Vorteil ist. Hier hat ein Reisender bei der Entwicklung mitgedacht.

Ähnlich verhält es sich mit den Objektiven. Während die EF-S Objektive gänzlich inkompatibel sind, lohnt sich bei so einer Kamera ohnehin der Umstieg auf die professionelle „L-Serie“  von Canon, da nur diese den Vollformatsensor überhaupt ausreizen können.
Diese Objektive fangen bei ca. 1.000 Euro an und bewegen sich im Durchschnitt bei 1.500 – 2.000 Euro pro Linse. Ein wahrlich teures Vergnügen.

Auch die gigantischen ISO Werte, die erreicht werden können, beeindrucken. Während bei kleineren Kameras schon ab 800 ISO ein Rauschen auftritt, zeigen die größeren Geschwister, dass man selbst in dunklen Räumen das Maximum an Licht einfangen kann, ohne dass ein zu großes Rauschen auftritt. Die Höhle im Libanon im unteren Beispiel war bis auf wenige Lichtquellen sehr dunkel.
Bei kleinen Kompaktkameras sieht man, dass das Rauschen bei ISO 400 teilweise schon recht stark ist. Bei höherwertigen Kameras ist selbst bei ISO 3.200 kein Rauschen zu erkennen. Einige Beispiele zur Auswahl. Wie man auf den Beispielbildern der unterschiedlichen Kameras sehen kann, ist bei der Mark III selbst bei ISO 12.800 kaum ein Rauschen zu entdecken, während die Aufnahme des Dioklektian Palastes bei Nacht schon bei 8.000 ISO das eigentlich dunkle Motiv wunderbar abbildet.

 

Die Mark III ist eine äußerst gute Kamera, extrem teuer, aber ihren Preis wert. Ob man soviel ausgeben möchte obliegt jedem selbst. Wenn man den Unterschied kennen gelernt, hat, gibt man sie allerdings nur ungern wieder weg. Nichtsdestotrotz ist die Kamera nur ein Baustein der Fotografie. Viel wichtiger ist der Fotograf und sein Gespür für das Motiv. Und auch mit Kleinbildkameras kann man atemberaubende Bilder machen.

Add Ons und Zubehör

Ein weiterer Vorteil der Mark III ist die Möglichkeit den praktischen Infrarot Fernauslöser einsetzen zu können, was sehr vorteilhaft ist, wenn man sich beispielsweise selbst portretieren möchte. Auch das optional erhältliche GPS Gerät lässt sich mit der Mark III verwenden, so dass man jedes seiner Fotos mittel Geo-Tagging mit den GPS Daten abspeichern kann. Die mitgelieferte Software stellt dann die Fotos auf einer Karte dar, was ein sehr nettes Gimmick ist ! Und mit Adobe Lightroom kann man so auch recht einfach eine virtuelle Karte anlegen.

Wie erwidere ich immer so schön, wenn jemand ein Bild von mir betrachtet und sagt: „Das ist ja ein tolles Bild, so eine Kamera hätte ich auch gerne“.
Woraufhin ich sage: „Das ist genauso wie wenn Du einem Koch sagst, hm, das essen schmeckt lecker, den Topf muss ich mir auch kaufen“.

In diesem Sinne. Wir werden hier in Kürze nochmal ein Foto- und Kameraspecial bringen, wo wir Tips und Tricks zeigen und auf diverse Foto-Themen mit anschaulichem Vergleichsmaterial eingehen.
Wir haben ebenfalls ein neues Forum auf CommunityPower eröffnet, das nun auch die Fotografie-Fans unter den CommunityPower-Mitgliedern zufrieden stellen sollte.

 

 

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